Krankheitsbild des Morbus Fabry

Morbus Fabry ist eine seltene erblich bedingte lysosomale Speichererkrankung, die durch einen Mangel des lysosomalen Enzyms α-Galaktosidase verursacht wird. Enzyme sind spezielle Eiweißstoffe, die Stoffwechselvorgänge im Körper steuern. Das Enzym α-Galaktosidase (α-GAL) ist für den Abbau von Fetten (Lipiden) verantwortlich. Aufgrund der ungenügenden oder komplett fehlenden Aktivität der α-GAL sammeln sich Glykosphingolipide (GL-3) als Speichersubstanz in den Wänden von Blutgefäßen und in anderen Geweben an. Die Folge sind Funktionsstörungen vieler Organe, die im weiteren Verlauf der Krankheit bis zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Dialysepflicht führen können. Die klinischen Beschwerden des M. Fabry sind sehr vielfältig und treten oft schon im Kindes- oder Jugendalter auf, werden aber häufig nicht beachtet, missverstanden oder sogar fehldiagnostiziert. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie des M. Fabry ist jedoch außerordentlich wichtig. Ohne Behandlung beträgt die Lebenserwartung von Patienten mit klassischem M. Fabry im Durchschnitt nur 41 Jahre.

M. Fabry wird X-chromosomal gebunden vererbt. Die geschätzte Häufigkeit liegt bei 1:40.000 bei Männern, aber auch Frauen können behandlungsbedürftige Symptome bis hin zum Vollbild der Erkrankung entwickeln, was in der Vergangenheit stark unterschätzt wurde.

Geschichte

Johann Fabry

Johann Fabry

Die Erkrankung Morbus Fabry ist seit mehr als 100 Jahren medizinisch bekannt und doch führt sie bis heute ein Schattendasein. 1898 veröffentlichten zwei Ärzte – Johann Fabry aus Deutschland und William Anderson aus England – unabhängig voneinander die ersten Berichte über Patienten mit purpurroten punktförmigen Hautflecken (Angiokeratome), die sich über größere Körperpartien erstreckten. Damit beschrieben die Ärzte eine der auffälligsten und manchmal auch ersten Veränderungen bei Fabry-Patienten. Im Jahre 1947 wurde die Erkrankung erstmals als generalisierte Speichererkrankung bezeichnet, 1963 wurden die Stoffe, die sich in den Zellen der Fabry-Patienten ansammelten als neutrale Glykosphingolipide identifiziert, mit dem häufigsten auftretenden Lipid GL-3. Bald danach wurde festgestellt, dass die Ursache der Erkrankung ein Mangel des Enzyms α-Galaktosidase (α-GAL) ist.

Diese Entdeckung ermöglichte die Diagnose der Erkrankung durch Messung der α-GAL-Aktivität in Leukozyten, Plasma oder Serum, biopsiertem Gewebe oder Hautfibroblasten. Ende der 1980er Jahre wurde die gesamte Gensequenz der α-GAL ermittelt, damit konnte man durch Genanalyse auch weibliche Träger der Erkrankung eindeutig identifizieren.

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